mySTORYs Schreibratgeber
Für Anfänger und Fortgeschrittene

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Dialogformen

Redselig - Figuren im Gespräch

Einen spannenden Dialog zu schreiben, ist nicht einfach. Wie man ihn richtig einsetzt und worauf man dabei achten sollte, das will dieser Artikel klären.

1. Zu viel oder zu wenig Dialog?

Pauschal kann man diese Frage nicht beantworten, denn es gibt Texte, die ganz ohne Dialog auskommen, und solche, die ausschließlich aus Dialog bestehen. Hier spielen Genre, Zielgruppe und die Absicht des Autors eine Rolle.

Abseits dieser beiden Extreme wird es aber eine gesunde Mischung sein, die den Dialoganteil bestimmt. Dabei gilt zum einen, dass der Text nicht langweilen soll. Abwechslung ist gefragt. So kann ein Dialog eine Erzählpassage auflockern, während man andererseits gut daran tut, Dialoge nicht seitenlang ausufern und stattdessen den Erzähler wieder zu Wort kommen zu lassen.

Zum anderen sollte der Autor Dialoge zielführend einsetzen. Wo er sich für einen Dialog entscheidet, sollte er damit eine bestimmte Absicht verknüpfen. Ein Dialog kann eine Figur charakterisieren, einen Konflikt deutlich machen, einen Konflikt entwickeln, Informationen vermitteln und vieles mehr. Vor allem aber bringt er den Leser dicht an die Figuren heran.

Gerade deshalb sollte man sich eines klarmachen: Wer eine Geschichte erzählt, wählt aus. Das gilt auch für die Kommunikation zwischen den Figuren. Wir müssen sie nicht in Echtzeit verfolgen. Nicht jedes Geplauder ist für den Leser von Interesse. Erst wenn es für die Geschichte eine Funktion erfüllt, hat es überhaupt die Berechtigung als Dialog in den Text aufgenommen zu werden.

Dialog ist außerdem unweigerlich mit szenischem Erzählen verbunden. Um das zu verstehen, wollen wir einen kurzen Exkurs in ein Thema machen, das an anderer Stelle noch weiterführend behandelt werden soll:

1.1. Die Formen des Erzählens

1.1.1 Beschreibendes Erzählen

Er trug eine blaue Weste über einem grauen Shirt. Seine Jeans waren über dem Knöchel ausgefranst, sodass man den Schaft seiner Halbstiefel sehen konnte.


Wie der Name schon sagt, wird beim beschreibenden Erzählen etwas beschrieben. Das kann, wie in diesem Fall, das Aussehen einer Figur sein, es können Gegenstände oder Landschaften, das Wetter, ein Ort und seine Bewohner, eine geschichtliche Epoche oder historische Zusammenhänge und vieles mehr beschrieben werden.

Eine Beschreibung unterbricht die Handlung, um dem Leser Informationen über das Beschriebene zu vermitteln.

1.1.2. Narratives Erzählen

Auf dem Weg zur Grenze durchquerten sie viele Dörfer, kamen aber, da sie sich abseits der Hauptwege hielten, in keine größere Stadt mehr. Ronaldus führte die Gruppe sicher durch seine Heimat, vorbei an jeder Gefahr, die ihnen hätte drohen können.


"narrare" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "erzählen". Was hier wie doppelt gemoppelt scheint, bedeutet also erzählendes Erzählen. Denken wir daran, wie wir unseren Freunden von vergangenen Ereignissen berichten, wird uns klarer, was gemeint ist. Wir erzählen überwiegend, indem wir Ereignisse zusammenfassen, statt zu versuchen, sie 1:1 nachzustellen, wie sie zum erzählten Zeitpunkt stattgefunden haben.

Daher nennt man das narrative Erzählen auch berichtendes Erzählen oder die narrative Zusammenfassung. Es kommt vor allem da zum Einsatz, wo Ereignisse mehr oder weniger stark gerafft zusammengefasst werden.

Die Ereignisse, über die im obigen Beispiel berichtet wird, können in Echtzeit Stunden, Tage, Wochen Monate, ja sogar Jahre gedauert haben. Der Erzähler fasst sie stattdessen zusammen. Dafür kann es verschiedene Gründe geben: Es kann seinem Erzählstil entsprechen, aber auch Stilmittel sein, um dort Zeit und Platz zu sparen, wo eine ausführliche und detailreiche Schilderung nicht zum gewünschten Ergebnis führt oder notwendig ist.

Dabei ist zu beachten, dass auch narratives Erzählen sehr detailreich sein kann. Es kommt eben darauf an, wie sehr der Erzähler zusammenfasst:

Sie gingen in das Gasthaus, wo der Wirt sie freundlich begrüßte. Sie bestellten drei Bier und fragten den Wirt, nachdem er es gebracht hatte, ob er schon einmal von dem dunklen Herbert gehört habe. Der Gefragte reagierte nun weit weniger freundlich und verweigerte jede weitere Auskunft.



1.1.3. Szenisches Erzählen

Sie betraten den Gastraum. Sofort kam ein freundlich blickender Herr auf sie zu. "Ich darf Euch ganz herzlich im Alten Krug begrüßen. Willi Wolle, mein Name. Wie kann ich Euch dienen, meine Herren?"
"Wenn Ihr einen Tisch für uns habt, an dem wir unsere müden Glieder ausstrecken können", antwortete Gunther. "Und bringt uns drei Bier!"
"Sofort." Der Wirt zeigte auf einen leeren Tisch am Fenster. "Wenn Euch der genehm ist, will ich eilen, Euren Durst zu stillen."
Sie nahmen Platz und Willi Wolle verschwand in der Küche.
"Ob er etwas weiß?" Kunibert schaute skeptisch in die Richtung, in die der Wirt verschwunden war.
"Das werden wir gleich sehen", sagte Gunther.
Schon kehrte Willi Wolle mit drei randvoll gefüllten Krügen zu ihrem Tisch zurück. Höflich blieb er stehen, wollte offenbar erfahren, ob es den Gästen mundete.
Gunther strich sich den Schaum aus dem Bart und fragte: "Habt Ihr schon einmal etwas vom dunklen Herbert gehört?"
Der Wirt zuckte zusammen. Dann versteifte er sich. "Nein!" Er deutete eine Verbeugung an, drehte sich um und stakste ohne ein weiteres Wort in seine Küche.


Beim szenischen Erzählen breitet der Erzähler eine Szene vor dem Leser aus. Wie in einem Theaterstück oder einem Film beobachtet der Leser die Figuren ganz direkt, während sie handeln. Sozusagen in Echtzeit, wenn wir vernachlässigen, dass sich vieles nicht in der gleichen Geschwindigkeit erzählen lässt, in der es in der Realität passieren könnte. So wird etwa eine Kampfszene sich nur schwer in dem Tempo wiedergeben lassen, in dem die Akteure tatsächlich ihre Schläge ausführen würden.

Es wird also beim szenischen Erzählen nicht oder nur wenig gerafft. Daher ist hier auch der richtige Platz für Dialoge. Es ist wichtig, sich das klar zu machen, weil es demnach keinen Sinn macht, aus einem narrativen Abschnitt heraus plötzlich einen Dialog zu eröffnen.

Anders gesagt: Dialoge treten nur dort auf, wo der Erzähler szenisch erzählt. Es gilt also zuallererst zu entscheiden, ob das, was an einer bestimmten Stelle erzählt werden soll, wichtig genug ist, um es szenisch zu erzählen. Die Entscheidung darüber liegt letztlich ganz allein beim Autor. Allerdings sollte er sich dabei am zentralen Konflikt seiner Geschichte orientieren.

Wollten unsere drei Wanderer aus dem obigen Beispiel sich in dem Gasthaus nur von einem langen Marsch stärken, ohne dass sie etwas erfahren oder erleben, was mit ihrem Konflikt, also ihren Zielen zu tun hat, ist es eher fraglich, ob das in einer detaillierten Szene dargestellt werden muss. Oft reicht dafür ein Nebensatz. Zu dem Dialog mit dem Wirt kommt es nicht.

Selbst wenn sie Informationen aus dem Gespräch mit dem Wirt ziehen, hängt es von der Einschätzung des Autors ab, ob er für diese Information einer eigenen Szene den Platz einräumt.

Denn eine Szene benötigt Platz. Der ist selbst im längsten Roman begrenzt. Der Autor muss also auswählen, wo er szenisch erzählt und wo er zusammenfasst. Möglicherweise reicht es ihm an dieser Stelle, wenn der Leser das Wesentliche in folgender Weise erfährt:

Am Abend kehrten sie in ein Gasthaus ein. Auf ihre Nachfrage nach dem dunklen Herbert erfuhren sie wenig Neues, doch zeigte ihnen die abweisende Reaktion des Wirtes, dass man in dem Ort diesen Namen kannte.


Zusammengefasst kann man also sagen, dass nur dort Dialog auftaucht, wo das Erzählte dem Autor so wichtig für die Geschichte erscheint, dass er ihm den Platz für eine Szene einräumt.

2. Wie echt muss der Dialog sein?

Oft sagt man, der Autor solle den Leuten auf den Mund schauen, um gute Dialoge zu schreiben. Gilt es also, Gespräche, wie wir sie tagtäglich hören, so genau, wie es geht, zu kopieren, um möglichst lebensnah zu schreiben?

Nein, denn leider besitzen reale Gespräche alles andere als das Zeug zu einem guten Dialog, der uns auch in geschriebener Form fesseln könnte.

Das beginnt schon damit, dass wir, wollten wir einen lebensechten Dialog schreiben, ständig Pausen, häufig mit einem äh oder hm, einbauen müssten. Oft müssten wir mitten im Satz oder gar im Wort abrechen, neu beginnen, das Vorherige wiederholen und doch wieder nicht zum Ende kommen. Wir müssten uns in der Wortwahl stark einschränken und viele Füllwörter immer und immer wieder benutzen.

Aber selbst wenn wir uns darauf einigen, dass man solche Unzulänglichkeiten mündlicher Kommunikation ja ein bisschen frisieren könnte, wäre noch lange kein guter Dialog das Ergebnis.

"Guten Morgen", sagte sie.
"Guten Morgen", antwortete er.
"Hast du gut geschlafen?"
"Ja, ich habe gut geschlafen."
"Wirklich?"
"Ja, wirklich."
"Das ist schön."
"Ja."


Zumindest für den Außenstehenden ist dieser Dialog pure Langeweile. Aber genau so laufen echte Gespräche oft ab. In echten Gesprächen geht jeder ganz direkt auf die Frage oder Aussage des Gegenübers ein, häufig, indem er wenigstens einen Teil des Gesagten wiederholt. Durch besondere Originalität zeichnen sich die wenigsten spontanen Gespräche aus. Und viele lassen jeden Konflikt vermissen (was uns schließlich im echten Leben alles andere als stört) oder sind gar vollkommen belanglos.

Die Dialoge in unseren Geschichten sollen sich aber genau dadurch auszeichnen: Originalität, Spannung, Konflikt! Denn das ist es, was wir auch lesen wollen.

2.1. Indirekte Kommunikation

"Hast du gut geschlafen?"
"Du nicht?"


Diese zwei Zeilen sind schon viel interessanter als der ganze Dialog zuvor. Denn hier wird nicht direkt auf die Frage geantwortet, sondern indirekt, in diesem Fall mit einer Gegenfrage. Das ist in jedem Fall origineller und baut eine gewisse Spannung auf. Auch beim Leser, denn der fragt sich sofort, ob da irgendetwas zwischen den Figuren nicht stimmt und was das sein könnte. Einen Konflikt gibt es hier nicht unbedingt, er wäre aber zumindest möglich.

"Hast du gut geschlafen?"
"Das könnte dir so passen!"


Auch wieder eine indirekte Antwort, die sicherlich die meisten als noch origineller, weil vollkommen überraschend, einstufen würden als im Beispiel zuvor. Und hier wird auch sofort ein Konflikt deutlich, wenn man ihn auch noch nicht vollständig erfassen kann.

2.2. Schlagfertiger als der Autor

Wie oft ärgern wir uns im Nachhinein, weil uns eine passende Antwort einfällt, die uns im Gespräch gut gelegen gekommen wäre, die uns aber zu diesem Zeitpunkt nicht in den Sinn gekommen ist. Unsere Figuren dagegen sollten immer möglichst schlagfertig reagieren können. Und sie haben den Vorteil, dass wir Autoren uns Stunden oder gar Tage Zeit nehmen können, um genau diese Antwort zu finden, die unsere Figur dann ganz spontan vom Stapel lässt.

Wer gute Dialoge schreiben will, wird feststellen, dass er an ihnen feilen muss. Nicht umsonst wenden viele Autoren einen großen Teil ihrer Überarbeitungszeit dafür auf, die Dialogpassagen immer besser zu machen. Zu achten ist dabei also darauf, dass die Dialoge sich durch Indirektheit, Originalität, Spannung und Konflikt auszeichnen.

2.3. Weg von belanglosem Geplänkel!

Es sei noch einmal betont, dass ein locker-leichtes Geplänkel, wie es uns mit guten Freunden oft amüsiert, in einem Roman schnell deplatziert wirkt, wenn es eben jeden echten Konflikt vermissen lässt. Leider begegnet es mir im Lektorat nur allzu häufig, dass angehende Autoren glauben, damit humorvoll unterhalten zu können.

"Morgen. Gut geschlafen?"
"Ja."
"Das hat man gehört. Du hast geschnarcht wie ein Esel."
"Wenn einer von uns beiden ein Esel ist, dann ja wohl du."
"Ach ja? Wer sagt das?"
"Ich sage das!"
"Ich glaube, ich muss dich mal wieder in den See werfen."
"Hah! Bis du aus dem Kreuz kommst, bin ich längst über alle Berge, du Schnecke!"
"Was denn nun? Bin ich jetzt ein Esel oder eine Schnecke?"
"Störrisch wie ein Esel, langsam wie eine Schnecke."


Auf die Dauer wird das den Leser ermüden. Er wird sich fragen, warum ihm der Autor jedes alltägliche Geplänkel der Figuren auftischt. Wenn man also kein ganz bestimmtes Ziel damit verfolgt, etwa das, eine harmlos harmonische Situation plötzlich in einen ernsthaften Konflikt umschlagen zu lassen, sollte man dem Leser derartiges ersparen.

3. Sagte, sagte, sagte: Die Inquitformel

"inquit" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er sagt", "er sagte". Inquitformeln zeigen im Dialog an, wer welche Aussage trifft. Manchmal werden sie auch Sprecherkommentare genannt, weil sie innerhalb eines Dialogs einen Kommentar zum jeweiligen Sprecher abgeben, der zumindest beinhaltet, wer etwas sagt.

"Hast du gut geschlafen?", fragte Susi.
"Das könnte dir so passen!", antwortete Peter.
"Ich wollte dir doch nur helfen", sagte sie.
Peter schüttelte den Kopf und sagte: "Ich kenne dich."
"Was soll das heißen?"
"Du wolltest Marianne eins auswischen."


Im Beispiel sind alle Inquits fett hervorgehoben. Inquits können dem Gesprochenen folgen wie in den ersten drei Zeilen oder ihm voranstehen wie in Zeile vier. Sie zeigen dem Leser, welche Sätze von Susi stammen, welche von Peter.

Obwohl in den letzten beiden Zeilen Inquitformeln fehlen, wird der Leser auch diese den Figuren zuordnen können. In der Regel (von stilistischer Verwendungsweise abgesehen) sollte man sich an die Empfehlung halten, Inquitformeln sparsam zu verwenden, denn das ständige "sagte er ... sagte sie" wird sonst für den Leser schnell nervig.

Im Beispiel könnte man die Inquits schon ab Zeile drei weglassen, denn durch die klare Gliederung und die inhaltliche Logik wird auch so klar, wer spricht. Neben der Gliederung und inhaltlichen Gesichtspunkten können auch gut ausgearbeitete Figuren mit typischer Redeweise Inquitformeln überflüssig machen.

"Sach ihm, dass er 'n bescheuerter Idiot is'."
"Aber, aber, meine Herren."
"Ach so, dann sagen Sie dem Kerl mal, ein Freund wie er kann mir gestohlen bleiben."
"Bitte, streiten Sie sich doch nicht."
"Weißte was der Blödmann zu mir gesagt hat?"
"Ehrlich gesagt, nehmen Sie mir das nicht übel, aber vielleicht möchte ich das gar nicht wissen."
"Ach, da gibt es auch nichts Interessantes, was er Ihnen erzählen könnte."
"Sachste. Haste vergessen, wie de mich 'n Streithammel geschimpft hast?"
"So, das habe ich zu dir gesagt? Ach, das ist ja kaum zu glauben. Sagen Sie, können Sie sich vorstellen, dass ich ihn damit gemeint haben könnte?"
"Bitte, meine Herren, seien Sie doch vernünftig. Ich muss Sie bitten, sich an einem anderen Ort weiterzustreiten. Die anderen Gäste würden gern wieder der Oper lauschen."



3.1. Die Inquits mit Informationen beladen

Gerade bei langen Dialogen und/oder wenn mehr als zwei Sprecher beteiligt sind, wird man um Inquitformeln oft nicht herumkommen, damit der Leser nicht den Durchblick verliert.

Die einfachste Inquitformel besteht aus dem Namen der Figur bzw. dem entsprechenden Pronomen und einem Verb des Sprechens:

Susi sagte: "..."

Peter fragte: "..."

Sie antwortete: "..."

"...", erwiderte Peter.


Die hier verwendeten Inquits sind weitgehend neutral. Sie sagen nicht viel mehr aus, als wer spricht. Darüber hinaus wird bestenfalls noch eine Aussage getroffen, ob jemand eine reine Aussage trifft, ob er fragt oder ob er auf eine Frage oder Aussage reagiert.

Wer sich im Wesentlichen auf solche Inquits beschränkt, wird dem eigentlichen Dialog mehr Aufmerksamkeit widmen, weil er dem Leser innerhalb des Gesprochenen vermitteln muss, wie und mit welchen (Hinter-) Gedanken etwas gesagt wird. Um mit den immer gleichen Inquits nicht zu nerven, wird er sie, wo er nur kann vermeiden.

Einfacher ist es (und gerade darum nicht immer besser) einen Teil der Informationen in die Inquitformel zu packen. Dazu lässt sich die Inquitformel nahezu beliebig erweitern:

"Hast du gut geschlafen?", fragte Susi.
"Das könnte dir so passen!", schimpfte Peter.
"Ich wollte dir doch nur helfen", rief sie.
Peter schüttelte den Kopf und brüllte: "Ich kenne dich."
"Was soll das heißen?", flüsterte Susi.
"Du wolltest Marianne eins auswischen", schrie er.


Im oberen Beispiel werden weiterhin Verben des Sprechens verwendet. Also Verben, die eine jeweils besondere Form der verbalen Äußerung bezeichnen. Sie sind weit weniger neutral als beispielsweise "sagen" und geben zusätzliche Informationen über die Intensität des Sprechakts.

Häufig finden wir aber auch solche Verben als Inquitformeln, die nur noch wenig mit verbaler Kommunikation zu tun haben. Nimmt man sie wörtlich, kann man bei einigen stark daran zweifeln, ob es der Figur wirklich gelingen kann, nebenbei auch noch Worte zu artikulieren, die für das Gegenüber verständlich sind:

"Hast du gut geschlafen?", säuselte Susi.
"Das könnte dir so passen!", lachte Peter.
"Ich wollte dir doch nur helfen", schluchzte sie.
Peter schüttelte den Kopf und trompetete: "Ich kenne dich."
"Was soll das heißen?", weinte Susi.
"Du wolltest Marianne eins auswischen", knurrte er.


Manchem Leser werden zumindest einige solcher Inquits sauer aufstoßen, mancher Lektor wird hier regulierend eingreifen. Tatsächlich kann man eine Aussage weder weinen noch lachen. Es wird stark vom jeweiligen Rezipienten abhängen, ob er sich unter einem solchen Inquit etwas vorstellen kann oder ob er den Kopf schüttelt.

Dabei kann es noch härter kommen:

"Hast du gut geschlafen?", nervte Susi.
"Das könnte dir so passen!", ärgerte sich Peter.
"Ich wollte dir doch nur helfen", echauffierte sie sich.
Peter schüttelte den Kopf und tobte: "Ich kenne dich."
"Was soll das heißen?", erschlaffte Susi.
"Du wolltest Marianne eins auswischen", triumphierte er.


Hier wird es teilweise schon sehr grenzwertig, denn die verwendeten Verben sind nicht einmal mehr solche, die eine Lautäußerung bezeichnen, geschweige denn das Artikulieren der Aussage, die sie kommentieren. Es ist nicht mehr weit bis zu dem Punkt, da die Figuren ihre Aussagen nicht mehr sprechen, sondern staubsaugen, abwaschen oder einschlafen.

Der Autor sollte sich also bezüglich der Inquitformeln die Frage stellen, ob sie überhaupt als Inquitformeln passen, ob sie also eine Aussage darüber treffen, dass eine Figur etwas sagt und eventuell wie sie es sagt? Wird also jeweils ein Verb verwendet, das irgendetwas damit zu tun hat, dass jemand eine Aussage trifft.

Zumal es gar nicht notwendig ist, die zusätzlichen Informationen, die man dem Leser mitteilen will, so geballt in dieses eine Verb zu pressen. Wie bereits gesagt, lassen sich Inquitformeln beliebig erweitern:

Hast du gut geschlafen?" Susi nervte.
"Das könnte dir so passen!", antwortete Peter verärgert.
"Ich wollte dir doch nur helfen", rief sie und schaute ihn hilflos an.
Peter schüttelte den Kopf. Unbeeindruckt von Susis Manöver sagte er: "Ich kenne dich."
"Was soll das heißen?", fragte Susi. Sie glaubte offenbar, sie könne weiter die Unschuldige spielen.
"Du wolltest Marianne eins auswischen", erwiderte er und ließ sie stehen.


Einen weiteren Aspekt sollte man bei Inquitformeln beachten:

"Ich bin stinksauer!", sagte er ärgerlich.

"Ich schlage vor, ins Hotel zurückzugehen", schlug er vor.

"Nein!", verneinte er.


In allen drei Beispielen gibt die Inquitformel eine Information, die bereits in der Aussage selbst enthalten ist. Das sollte man unbedingt vermeiden!

4. Ein paar Sätze zur Form

Dialog wird in aller Regel durch Anführungszeichen gekennzeichnet:

"Lass uns übers Wetter reden."


Folgt keine Inquitformel, steht das abschließende Satzzeichen innerhalb der Anführungsstriche:

"Es ist schönes Wetter heute."
"Weißt du, wie das Wetter morgen wird?"
"Keine Ahnung. Ruf doch mal an!"


Eine folgende Inquitformel, die direkt auf den Dialogsatz verweist, wird durch ein Komma nach den Anführungszeichen abgetrennt. Der Punkt am Ende der Aussage im Dialog entfällt:

"Das Wetter soll auch morgen schön werden", sagte Susi."


Ausrufe- und Fragezeichen bleiben erhalten:

"Hast du denn angerufen?", fragte Peter.
"Na klar!", antwortete Susi.


Wird die Inquitformel von zwei Dialogsätzen einer Figur eingeschlossen, gelten dieselben Regeln:

"Das ist super!", sagte Peter erfreut. "Dann können wir morgen etwas unternehmen."
"Genau!", antwortete Susi. "Wir könnten ins Freibad gehen."


Wird die Inquitformel in einen Dialogsatz eingebunden, der anschließend weitergeführt wird, wird sie in Kommata eingeschlossen. Der Dialogsatz wird anschließend mit Kleinschreibung weitergeführt (natürlich nur, sofern das erste Wort nicht ohnehin groß geschrieben werden muss):

"Ich glaube", sagte Peter, "ich brauche eine neue Badehose."


Zu beachten ist, dass eine Inquitformel, die nicht direkt (etwa durch "sagte er", "fragte sie") auf die Dialogaussage Bezug nimmt, als neuer, eigenständiger Satz behandelt wird:

"Dann sollten wir uns beeilen. Die Geschäfte schließen bald." Susi zog Peter am Arm.
"Warte!" Peter befreite sich aus ihrem Griff. "Was ist mit Marianne?"


Steht die Inquitformel vor dem Dialogsatz und weist direkt auf diesen hin, wird ein Doppelpunkt gesetzt:

Susi schaute ihn verwundert an und fragte: "Was soll mit ihr sein?"


Kein Doppelpunkt steht, wenn ein solcher Verweis fehlt:

Peter kratzte sich am Kopf. "Sie wollte doch gleich vorbeikommen."


Der Sprecherwechsel im Dialog wird in der Regel der Übersicht wegen durch einen Zeilensprung gekennzeichnet:

"Kannst du sie nicht anrufen?", fragte Susi.
"Soll sie hier auf uns warten?" Peter mochte es nicht, wenn er eine Verabredung vertrösten musste.
"Wenn wir wüssten, wo wir hingehen, könnten wir sie in der Stadt treffen."
"Tolle Idee!", sagte Peter. "Also, wo gehen wir hin?"


Gerade dort, wo Inquitformeln sparsam zum Einsatz kommen, ist es wichtig, dieses Schema streng zu verfolgen.

Auch wenn ein Dialogpartner mal nicht reagiert, indem er etwas sagt, ist das ein Sprecherwechsel:

"Wir könnten zu Schwimmstyle gehen."
Peter schüttelte den Kopf.
"Warum nicht?"
"Zu teuer!"
Susi verdrehte die Augen.
"Lass uns zum Discounter gehen", sagte Peter.

Veröffentlicht am 19.01.2011
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